Beratungsbedarf und Beratungsstrukturen von KMU zu betrieblicher Gesundheitsförderung

Ergebnisse einer Befragung hessischer Metallunternehmen

Beratungsbedarf und Beratungsstrukturen von KMU zu betrieblicher Gesundheitsförderung

Der hessische RKW-Arbeitskreis „Gesundheit im Betrieb“ will mit dem hier beschriebene Vorhaben sollte klären, welchen Beratungsbedarf diese Betriebe zu Fragen der Gesundheitsförderung haben, welche Informationsangebote sie wünschen oder favorisieren und mit welchen Zugangswegen man sie am besten erreichen kann.

Die Befragung fand 2007/2008 statt. Es wurden Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern aus den versicherten Betrieben der Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd in Hessen angesprochen. Zur Auswertung lagen schließlich 124 Bögen aus dem Einzelhandel vor.

 

Zentrale Ergebnisse im Überblick

 

• Maßnahmen und Strukturen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (AGS) sind in den Betrieben der Metallbranche relativ häufig vorhanden. Allerdings gibt es ein deutliches Umsetzungsgefälle; Während z.B. 76 % der Betriebe mit 51 bis zu 100 Mitarbeitern ankreuzten Gefährdungsbeurteilungen zu besitzen, waren es bei den Kleinbetrieben mit bis zu 20 Mitarbeitern nur 38%.

 

• Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) werden in weniger als jedem fünften Betrieb durchgeführt.

 

• Wurde bei der Existenz von Maßnahmen des AGS noch ein Zusammenhang mit der Betriebsgröße festgestellt wurde, ist die Existenz gesundheitsfördernder Maßnahmen (BGF) von der Anzahl der Mitarbeiter im Betrieb unabhängig.

 

• Die Betriebe schätzen ihren Informationsstand zum Arbeits- und Gesundheitsschutz und zur betrieblichen Gesundheitsförderung überwiegend als ausreichend ein. Das diese Selbsteinschätzung häufig nicht realistisch ist, zeigt folgender Befund: Kleinbetriebe (1-20 MA) fühlen sich in einem höheren Ausmaß über die gesetzlichen Grundlagen des AGS informiert  (85% zu 63 %) als  Betriebe mit 20 bis 50 Mitarbeitern. Betriebe kennen also häufig die Anforderungen und Informationslücken nicht und empfinden deshalb ihr Wissen nicht als defizitär.

 

• Auch die Angebote zum AGS und zur BGF für kleine Betriebe werden überwiegend als ausreichend bewertet, möglicherweise auch aus dem oben genannten Grund. 

 

• Probleme oder Beschwerden im gesundheitlichen Bereich werden nur von etwa der Hälfte der befragten Betriebe angegeben. Auch hier besteht der Verdacht, dass dieses betriebliche Handlungsfeld nur wenig Aufmerksamkeit bei den Unternehmern erfährt und gesundheitliche Belastungen deshalb nicht wahrgenommen oder verdrängt werden. Das Bewegen schwerer Lasten, aber auch hoher Zeitdruck, Suchtmittel, soziale Konflikte, Raumtemperatur bzw. Zugluft und persönliche Schutzausrüstung wurden am häufigsten genannt.  Bemerkenswert ist die hohe Relevanz der „weichen“ Belastungen wie Zeitdruck oder soziale Konflikte.

 

• Zur Information im Bereich Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung greifen die meisten Betriebe auf Informationen der Berufsgenossenschaften, der Fachkraft für Arbeitssicherheit oder des Betriebsarztes, Krankenkassen und Branchen- bzw. Fachverbände sowie auf Mitgliedszeitschriften zurück.

 

• Der Kontakt zu überbetrieblichen Institutionen ist mit der Berufsgenossenschaft, Krankenkassen und Innungen, Handwerkskammern bzw. Industrie- und Handelskammern am stärksten ausgeprägt. Unterstützung im Arbeitsschutz und der Gesundheitsförderung wird dabei überwiegend von den beiden erstgenannten Institutionen erwartet.

 

• Zur Information wünschen sich die meisten Betriebe CD-ROM´s bzw. DVD´s, Broschüren bzw. Flyer oder ein Internetportal.

 

• Betriebe, die ausbilden, sowie Unternehmen mit einem Hauptverantwortlichen für die Personalarbeit und Betriebe mit Kontakt zu Mitarbeitern einer Krankenkasse engagieren sich signifikant häufiger in der BGF als die übrigen Betriebe.