Vorwort

Vorwort

MinisterSehr geehrte Damen und Herren,

 

Johann Wolfgang von Goethe hat gesagt: „Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden.“ Heutzutage werden unsere Visionen durch eine technisch-rationalistische Herangehensweise oft vernachlässigt. Trotz alledem: Im Mittelpunkt unserer Träume steht der Wunsch eines langen und gesunden Lebens. Als Gesellschaft verfügen wir über die Poten­ziale und Ressourcen, um unsere Ideen und Ideale zu gestalten und zu verwirklichen. Das neue Präventionsgesetz ist ein wertvolles Instrument in diesem Sinne, weil es aufzeigt, wie die Gesundheit einer Gesellschaft gefördert werden kann.

Die Lebenserwartung der Menschen in den entwickelten Ländern war während der letzten tausend Jahre durch eine ständige Zunahme gekennzeichnet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts steigt unser durchschnittliches Lebensalter um bis zu zwei bis drei Monate pro Lebensjahr. Dieser Trend hält ungebrochen an. Durch eine bessere Prävention und Gesundheitsförderung kann die Lebenserwartung der Menschen noch deutlicher erhöht werden. Darauf weisen viele Studien hin. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) spricht davon, dass durch Veränderungen des sozialökonomischen und kulturellen Umfeldes und des Lebensstiles die Lebenserwartung ad hoc um etwa drei Jahre angehoben werden könnte. Der wesentliche Einflussfaktor auf die Gesundheit ist der gesellschaftlich vermittelte persönliche Lebensstil, d. h. die Gesundheitskompetenz und das Gesundheitsverhalten des Einzelnen. Dazu zählen vor allem die Ernährung, die Bewegung, der Umgang mit Suchtmitteln sowie psychosoziale Einflüsse.

Um diese Faktoren als Gesellschaft nachhaltig positiv zu beeinflussen, müssen neue, zeitgerechte Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten entwickelt werden. Wir brauchen einen starken gesellschaftlichen Willen für eine erfolgreiche Präventionspolitik. Hierfür haben wir in den zurückliegenden Jahren in Hessen mit vielfältigen Maßnahmen und Projekten die Voraussetzungen entwickelt, um die Chancen und Möglichkeiten eines bundesweiten Präventionsgesetzes optimal aufgreifen und nachhaltig weiterführen zu können.

Hierzu zählt in besonderem Maße der Gesundheitsbericht Hessen, der den Gesundheitszustand der hessischen Bevölkerung beschreibt. Er dient dazu, Gesundheitsförderung und Prävention in den jeweiligen Lebenswelten ziel- und altersgruppenspezifisch zu gestalten. Der Gesundheitsbericht Hessen wird nun nach der Erstveröffentlichung (2011) zum zweiten Mal publiziert. In den Jahren 2011 bis 2014 haben jeden Monat durchschnittlich 7.000 Nutzer, insgesamt über 250.000, den Gesundheitsbericht online, oft mehrfach, abgerufen. Diese große Nachfrage, nicht nur in Hessen, sondern auch bundesweit, verdeutlicht das Interesse an diesem in Deutschland einzigartigen Datensatz, der sich auf Daten des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs der GKV-Versicherten in Hessen begründet. Der Gesundheitszustand von über fünf Millionen Bürgerinnen und Bürgern in Hessen kann mithilfe dieser Daten alters- und geschlechtsdifferenziert dargestellt werden.

Seit dem Erscheinen des ersten Gesundheitsberichts hat die Hessische Landesregierung diese Informationen genutzt, um auf den altersspezifischen Gesundheits­zustand der hessischen Bevölkerung zugeschnittene Handlungsempfehlungen für die Prävention und Gesundheitsförderung im Rahmen des Hessischen Präventionsplans „GesundLeben – GesundBleiben“ umzusetzen.

Dazu braucht es eine Strategie auf unterschiedlichen Ebenen. Zum einen bedarf es der Sensibilisierung und Unterstützung jedes Einzelnen für eine gesunde Lebensführung. Zum anderen benötigt es eine gesunderhaltende Alltagswelt. Hier ist neben infrastrukturellen Aspekten in den Lebenswelten der Menschen auch die gesundheitliche, medizinische Versorgung relevant. Der Hessische Präventionsplan beinhaltet Präventionsprojekte und Gesundheitsförderungsmaßnahmen der Hessischen Landesregierung und ihrer Partner in den drei Lebensphasen der Kindheit und Jugend, der ­Erwachsenen und des Alters. Thematische Schwerpunkte ­sind die Krebsprävention sowie zukünftig die Prävention von Diabetes.

Auch in diesem Gesundheitsbericht werden die ­alters- und geschlechtsdifferenzierten Gesundheitsdaten zusammen mit den Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen in den lebens­phasenbezogenen Kapiteln beispielhaft vorgestellt.

Der demografische Wandel und die damit verbundenen Krankheitsbilder so­wie die dafür zur Verfügung stehenden Versorgungsstrukturen des Gesundheitswesens werden in den nachfolgenden Kapiteln aufgegriffen. Die Hessische Landesregierung hat mit dem „Hessischen Pakt zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung für die Jahre 2012 bis 2014“ und dem „Hessischen Gesundheitspakt 2.0 für die Jahre 2015 bis 2018“ Instrumente geschaffen, die bestehenden medizinischen Versorgungsstrukturen den Herausforderungen der Zukunft anzupassen.

Für die Umsetzung des vom Deutschen Bundestag am 18. Juni 2015 beschlossenen Präventionsgesetzes auf Landesebene werden die Daten des Hessischen ­Gesundheitsberichts in der Prioritätensetzung der ­Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen in Hessen von großem Nutzen sein. Das Gesetz ist von der Idee getragen, die Prävention stärker an individuellen Lebensumständen in den jeweiligen Lebenswelten zu orientieren. Besonders diejenigen, die bisher nur wenig von den bestehenden Angeboten erreicht wurden, sollen verstärkt angesprochen werden und somit soll ein Beitrag zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancen­gleichheit geleistet werden.

Die rasanten Entwicklungen der medial gestützten Gesundheitskommunikation und vor allem die Potenziale des sogenannten „E-Health“ müssen viel stärker als bislang in die Strategien der Prävention und Gesundheitsförderung einfließen. Das Bundesland Hessen will seine Vorreiterposition auf dem Gebiet des vernetzten E-Health weiter ausbauen und dabei die Komponenten der Prävention und Gesundheitsförderung stärker als bislang integrieren.

Angesichts der demografischen Entwicklung sind gezielte, koordinierte Gesundheitsförderung und Prävention von fundamentaler und stetig wachsender Bedeutung für die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft und unsere Zukunftsfähigkeit. Das neue Präventionsgesetz ist ein gutes Fundament, um die Förderung der Prävention und Gesundheit durch die Hessische Landesregierung und die ­Sozialversicherungsträger erfolgreich voranzubringen. Dabei ist es unser erklärtes Ziel, auf dieser Grundlage die ­dafür notwendigen Strukturen zu schaffen und ein kooperatives Zusammenwirken der Beteiligten im Sinne der gesetzlichen Intention zu gewährleisten. Wir laden alle Akteure ein, sich aktiv zu beteiligen, um gemeinsam die vielfältig vorhandenen Ansätze und Maßnahmen in der Prävention und Gesundheitsförderung in Hessen erfolgreich und zielgerichtet weiterentwickeln zu können. In diesem Sinne setzen wir uns – analog zum „Hessischen Pakt zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung“ – für einen Hessischen Präventionspakt im Kontext des Hessischen ­Präventionsplans „GesundLeben – GesundBleiben“ ein.

Wir sollten nicht ausschließlich pragmatisch denken, sondern auch heute noch daran glauben, dass Wünschen hilft, um Träume zu verwirklichen. Zumindest setzen Wünsche und Visionen Kraft und Kreativität frei und helfen uns – um auf Goethe zurückzukommen – unsere Leistungsfähigkeit zu steigern.

So wünsche ich mir, dass dieser Gesundheitsbericht Hessen von Ihnen genutzt wird, um gemeinsam mit der Hessischen Landesregierung die Gesundheit der hessischen Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.

Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre des Gesundheitsberichts Hessen.



Stefan Grüttner
Hessischer Sozialminister

 

 

 


Termine, Querverweise und Links


drucken MySpace Facebook Twitter Email Bookmark