Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen

Die Bedeutung von Selbsthilfe in der Gesundheitsversorgung

In den vergangenen Jahren hat die Selbsthilfe entscheidend dazu beigetragen, dass direkt betroffene Menschen und ihre Angehörigen Krankheiten und Krisen leichter bewältigt haben. Selbsthilfe ist neben professionellen ambulanten und stationären Leistungen eine anerkannte Säule des Gesundheitswesens. Sie bildet den Kern der Selbsthilfebewegung, in der unmittelbar persönliche Begegnung stattfindet, Erfahrungsaustausch, Information und seelische Verarbeitung von Krankheit und Krise ermöglicht wird.

Mittlerweile engagieren sich bundesweit ca. 3 Millionen Bürgerinnen und Bürger in schätzungsweise 80.000 Selbsthilfegruppen. Die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Selbsthilfe-Kontaktstellen schätzt die Zahl der Selbsthilfegruppen in Hessen auf 6.000 und die Zahl der Mitglieder auf 250.000 Personen.

Etwa die Hälfte der Selbsthilfegruppen gehört landes- oder bundesweit agierenden Selbsthilfeorganisationen an. Über 100 gesundheitsbezogene Selbsthilfeorganisationen sind in Dachverbänden (BAG Selbsthilfe, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) zusammengeschlossen. Sie bilden den „politischen Flügel“ der Selbsthilfe und vertreten die Interessen chronisch Kranker und von Menschen mit Behinderungen. Sie sind Verhandlungspartner von Leistungsanbietern und Kostenträgern, Politik und Verwaltung und sie arbeiten mit ihren Informations- und Aufklärungsaktivitäten daran, dass das Leitbild „der mündigen Patientin und des mündigen Patienten“ mehr und mehr Wirklichkeit wird.

 

Selbsthilfe-Kontaktstellen

Zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen bzw. von Menschen, die sich für Selbsthilfegruppen interessieren (Betroffene, Angehörige, Fachkräfte), haben sich professionell geführte Selbsthilfe-Kontaktstellen bewährt, von denen es inzwischen über 300 in der gesamten Bundesrepublik gibt. In Hessen gab es im Jahr 2014 19 solcher Kontaktstellen, die sich in unterschiedlicher Trägerschaft, z. B. von Gesundheitsämtern, Wohlfahrtsverbänden und eingetragenen Vereinen, befinden und sich in einer gemeinsamen Arbeitsgemeinschaft verbunden haben. Selbsthilfe-Kontaktstellen sind die fachliche Antwort auf den Unterstützungsbedarf derjenigen, die ein gemeinsames Problem auf der Ebene gleicher Betroffenheit im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten lösen wollen und damit ihre Anliegen selber in die Hand nehmen. Sie entsprechen damit dem Grundsatz von Eigenverantwortung und Selbst­organisation in besonderer Weise:

  • Sie geben Auskünfte über örtliche Selbsthilfegruppen (ggf. auch andere Dienste und Einrichtungen) und zu prinzipiellen Konzepten der Selbsthilfearbeit.
  • Sie helfen beim Aufbau neuer Gruppen.
  • Sie stehen bei Bedarf zur Beratung oder zur Vermittlung von Kooperationspartnern bereit.
  • Sie vertreten das Prinzip der Gruppenselbsthilfe nach außen, wenn es nicht um themen-(z. B. krankheits-) spezifische Angelegenheiten geht.

 

In vielen Städten und Kreisen des „Gesunde Städte-Netzwerks“ sind sie als Kooperationspartner von Politik und Verwaltung fest etabliert.

Selbsthilfegruppen, -organisationen und -kontaktstellen sind inzwischen als Fachbegriffe definiert und werden in Sozialgesetzbüchern als zu fördernde Einrichtungen genannt, nach SGB V durch die gesetzliche Kranken­versicherung, nach SGB IX durch die Rehabilitationsträger und nach SGB XI durch die Pflegeversicherung. Dies bedeutet einerseits finanzielle Förderung für alle drei Bereiche der Selbsthilfe, andererseits aber auch gesellschaftliche und staatliche Anerkennung ihrer Leistung und ihres Wertes. Beides ist für die Selbsthilfe von enormer Bedeutung. ­Nirgends in Europa ist diese Entwicklung so weit fort­geschritten wie in Deutschland.

 

 


Termine, Querverweise und Links

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