Krankheiten

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Häufigste Erkrankungen - Zusammenfassung

Krankheiten Die demografische Entwicklung wie auch die verbesserten medizinischen Möglichkeiten führen dazu, dass viele Krankheiten, wie z. B. Tumorerkrankungen oder Aids, zu chron­ischen Erkrankungen werden. Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung fördern sogenannte Zivilisationskrankheiten. Diese Krankheiten begleiten Menschen während einer langen Lebensphase. So führen auch in Hessen Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und Diabetes die Lis­te der häufigsten Krankheiten an. Bei Frauen kommt Depression als dritthäufigste Diagnose hinzu, sie steht bei Männern erst an Platz sechs. Auch chronische Atemwegserkrankungen sind bei beiden Geschlechtern häufig (Abb. 62).

Legende: Enthalten sind alle erfassten HMGs der jeweiligen Diagnosen, wie auf Seite 150 beschrieben. Ausnahme: Herz-Kreislauf-Erkrankungen enthalten keine Hypertonie (HMG091). Psychische Erkrankungen umfasst neben Depression auch Demenz, Schizophrenie und weitere psych. Erkrankungen. Aufmerksamkeitsstörungen sind nicht berücksichtigt. Quelle: Daten gesetzlicher Krankenkassen auf der Basis von „hierarchisierten Morbiditätsgruppen“ (HMG) 2011, Statistisches Landesamt, eigene Berechnung 2013.

 

Daten zu Krankheitshäufigkeit und Entwicklung

Für die Planung von Interventionen für spezifische ­Risiko- oder Betroffenengruppen ist es wichtig, eine näherungsweise Aussage über die erwartete Zahl von Betroffenen machen zu können. Die hier dargestellten Krankheitsdaten basieren auf kodierten Diagnosedaten von verschiedenen gesetz­lichen Kassenarten (GKVs) aus Hessen.

Die Daten sind analog den hierarchisierten Mor­biditätsgruppen (HMGs) zusammengefasst und entsprechen somit den Fallzahlen der Versicherten mit einer Diagnose, die eine der 80 Krankheitsgruppen betrifft, die im Rahmen des Morbi-RSA berücksichtigt werden1 sowie die weiteren Kriterien2 erfüllen.Da die Daten auf Versichertendaten basieren, sind sie nicht repräsentativ für die gesamte hessische Bevölkerung, sondern beziehen sich auf die ca. 5 Millionen GKV-Versicherten (rund 82 % aller Hessen).

In dieser Aktualisierung des Hessischen Gesundheitsberichts mit Daten aus dem Jahr 2011 konnten jedoch wesentlich mehr Daten ausgewertet werden als im ersten Hessischen Gesundheitsbericht mit den Daten des Jahres 2009. Entsprach der Anteil der erfassten GKV-Versicherten 2009 in etwa 35 %, umfasst der Anteil 2011 knapp ¾ (74 %) der hessischen gesetzlich Versicherten. Somit konnte die Repräsentativität innerhalb der Gruppe der gesetzlich Versicherten erheblich verbessert werden.

Bezugspunkt für die Daten ist die Gesamtzahl aller hessischen GKV-Versicherten. In Hessen sind rund 5 Millionen Menschen gesetzlich versichert. Die sechs Kassen, deren Daten ausgewertet werden konnten, repräsentieren rund 3,7 Millionen Versicherte. Für die Fallzahlberechnungen wurden diese Zahlen auf die gesamte hessische Bevölkerung bezogen. Es handelt sich somit um Hochrechnungen, also Schätzungen. Deshalb sind alle Fallzahlangaben gerundet.

Problematisch für einen Vergleich der Daten über die Zeit ist jedoch u. a. die kontinuierliche Weiterentwicklung der Krankheitskodierungen nach HMGs. Das macht einen Vergleich der absoluten Zahlen derzeit unmöglich. Sobald mittels der Datentransparenzverordnung (DaTraV)3 seitens des Statistischen Bundesamtes eine Darstellung der Morbi-RSA-Diagnosen auf Bundesebene erstellt wird, lassen sich die hessischen Zahlen mit den Bundeszahlen vergleichen. Die durch die DaTraV geschaffene Auskunftsstelle beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information wird zukünftig solche zielgruppen- oder krankheitsspezifische Untersuchungen erleichtern.

Die Darstellungen der Krankheiten in diesem Bericht dienen zu diesem Zeitpunkt deshalb vornehmlich der Visualisierung der Altersverläufe und der Erfassung der Größenordnung von Krankheiten. Sie entsprechen nicht den absoluten Fallzahlen in Hessen.

 

Viele dieser Krankheiten werden in den nächsten Jahren aufgrund der Alterung der Bevölkerung weiter zunehmen, insbesondere der Bluthochdruck sowie Krankheiten des Bewegungsapparates. Viele dieser Krankheiten bedingen Folgekrankheiten (Hypertonie, Diabetes, Osteoporose), sie verursachen hohe direkte Behandlungskosten (Makuladegeneration, Krebs) oder indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und Pflegeaufwendungen (Krankheiten des Bewegungsapparates, Demenz etc.). Die häufigsten chronisch verlaufenden Erkrankungen (Herz-Gefäß-Stoffwechsel-Erkrankungen, psychosomatische Leiden, Knochenstoffwechselerkrankungen, Wirbelsäulen- und Gelenkkrankheiten) können durch Prävention und Gesundheitsvorsorge vermieden oder verzögert werden, lassen sich behandeln und durch Rehabilitationsmaßnahmen stabilisieren.

Quelle: Beske, F., Katalinic, A. et al. 2009. Schriftenreihe Fritz Beske Institut für Gesundheitssystemforschung, Band 14, angepasst (www.igsf.de).

 

 


  1. „Hierarchisierte Morbiditätsgruppen“ (HMG) sind die Basis für die Mittelzuweisung an die Krankenkassen im Rahmen des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs. Für die 80 ausgewählten Krankheiten, die im sog. Morbi-RSA berücksichtigt werden, werden jährlich neue Morbiditätsgruppen definiert. Gibt es für eine Krankheit mehrere nach Schweregrad differenzierte Morbiditätsgruppen, so werden diese in eine Hierarchie gebracht. Daher auch die Bezeichnung „hierarchisierte Morbiditätsgruppen“ (HMG). Diese Krankheitsgruppen wurden auch im vorliegenden Bericht zugrunde gelegt. Problematisch für einen Vergleich der Daten über die Zeit ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der HMGs. Waren es bis 2011 noch 106 Morbiditätsgruppen, sind es seit 2012 bereits 139 HMGs. Auch die Definition, also die jeweils dort zusammengefassten Diagnosen verändern sich. Das macht einen Vergleich der absoluten Zahlen derzeit unmöglich. Die Darstellung der HMGs in diesem Bericht dienen deshalb auch vornehmlich der Visualisierung der Altersverläufe und Größenordnungen von Krankheiten.

    Bei Kindern dargestellt

    – HMG074 Epilepsie

    – HMG 152 schwerwiegende bakterielle Infektionen der Unterhaut und andere lokal begrenzte Hautinfektionen

    Herz-Kreislauferkrankungen

    HMGs zu Herz-Kreislauferkrankungen umfassten im Jahr 2011 die HMG077 bis 092. Im Bericht dargestellt sind

    – HMG080: Herzinsuffizienz

    – HMG083: Angina pectoris/Z. n. altem Myokardinfarkt

    – HMG084: Koronare Herzkrankheit/andere chronisch-ischämische Erkrankungen des Herzens

    – HMG086: Erworbene Erkrankungen der Herzklappen und rheumatische Herzerkrankungen

    – HMG092: Näher bezeichnete Arrhythmien

    – Hypertonie (HMG091) wurde aus übersichtsgründen nicht bei Herz-Kreislauferkrankungen berücksichtigt Sonstige, nicht im Bericht enthaltene Herz-Kreislauferkrankungen:

    – HMG081: Akuter Myokardinfarkt / instabile Angina pectoris und andere akute ischämische Herzkrankheiten

    – HMG087: Schwere angeborene Herzfehler

    – HMG088: Andere angeborene Herzfehler

    – HMG089: Hypertensive Herz- und Nierenerkrankung, Enzephalopathie oder akutes Lungenödem

    – HMG090: Hypertensive Herzerkrankung

    Neubildungen

    Hier sind alle HMGs (HMG004, HMG006 bis HMG014) aufgenommen.

    – HMG004: Myolische Leukämie

    – HMG006: Multiples Myelom, akute lymphatische Leukämie, Erythroleukämie, Mastzellenleukämie und akute Leukämien, nicht näher bezeichneten Zelltyps

    – HMG007: Non-Hodgkin-Lymphom, Morbus Hodgkin, chronisch lymphatische Leukämie, chronisch myeloproliferative Krankheit

    – HMG008: Lungenmetastasen und Metastasen der Verdauungsorgane

    – HMG009: Metastasten sonstiger Lokalisation, Kaposi-Sarkom

    – HMG010: Lymphknotenmetastasen

    – HMG011: Bösartige Neubildung des Dünndarms, Peritoneums, Gallenblase, Leber, Pankreas

    – HMG012: Andere schwerwiegende bösartige Neubildungen

    – HMG013: Sonstige ernste bösartige Neubildungen

    – HMG014: Andere Neubildungen

    Diabetes

    Alle HMGs von HMG015-HMG017, HMG019-HMG020

    – HMG015: Diabetes mit renalen oder multiplen Manifestationen

    – HMG016: Diabetes mit peripheren zirkulatorischen Manifestationen oder Ketoazidose

    – HMG017: Diabetes mit sonstigen Komplikationen

    – HMG019: Diabetes ohne oder mit nicht näher bezeichneten
    Komplikationen

    – HMG020: Typ I Diabetes mellitus

    Kognitive Erkrankungen

    Alle HMGs HMG047 und HMG049

    – HMG047: Morbus Alzheimer, normotensiver Hydrozephalus

    – HMG049: Sonstige Demenzerkrankungen

    Psychische Erkrankungen

    HMG054-HMG058, HMG060, HMG230 und HMG231

    – HMG054: Schizophrenie

    – HMG055: Bipolare affektive Störungen

    – HMG056: Wahn, psychotische und Persönlichkeitsstörungen

    – HMG057: Angststörungen und unspezifische depressive Störungen

    – HMG058: Depression, posttraumatische Belastungsstörungen, Verhaltensstörungen

    – HMG060: Anorexia nervosa/Bulimie

    – HMG230: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen,
    sonstige Essstörungen

    – HMG231: Panikstörung, näher bezeichnete Phobien,
    sonstige anhaltende affektive Störungen

    Lungenkrankheiten

    HMG005, HMG108, HMG109, HMG111, HMG112, HMG201, HMG215-HMG218, HMG237

    – HMG005: Infektionen durch opportunistische Erreger

    – HMG108: Schweres akutes Asthma (Alter > 17 Jahre), postinflammatorische Lungenfibrose

    – HMG109: Asthma bronchiale (alle Altersgruppen), akutes schweres Asthma (Alter < 18 Jahre)

    – HMG111: Aspiration und näher bezeichnete bakterielle Pneumonien

    – HMG112: Sonstige Pneumonien, Empyem, Lungenabszess, Pleuritis, pulmonale Insuffizienz

    – HMG201: Infektion der Lunge durch Mykobakterien oder Pilze
    (inkl. disseminierte Formen)

    – HMG215: COPD oder Emphysem mit
    Dauermedikation/Bronchiektasen

    – HMG216: Respiratorische Insuffizienz

    – HMG217: Mukoviszidose (Alter > 11 Jahre)

    – HMG218: Mukoviszidose (Alter < 12 Jahre)

    – HMG237: COPD oder Emphysem ohne Dauermedikation

    HIV/AIDS

    HMG001 und HMG184

    – HMG001: HIV/AIDS (mit Dauermedikation)

    – HMG184: HIV/AIDS (ohne Dauermedikation)

    Rheumatische Erkrankungen

    HMG226-HMG229

    – HMG226: Juvenile Arthritis

    – HMG227: Morbus Behcet, entzündliche Wirbelkörpererkrankungen, Arthritis psoriatica, chronische Polyarthritis mit Organbeteiligung

    – HMG228: Sonstige systemische rheumatoide Erkrankungen

    – HMG229: Rheumatoide Erkrankungen mit Dauermedikation

    Krankheiten des Bewegungsapparates

    – HMG040 Osteoarthritis Hüfte Knie

    Alkohol und Drogenabhängigkeit

    HMG51-HMG53

    – HMG051: Alkohol- oder drogeninduzierte Psychose

    – HMG052: Alkohol- oder Drogenabhängigkeit

    – HMG053: Schädlicher Gebrauch von Alkohol/Drogen ohne Abhängigkeitssyndrom

  2. Um als Fall gem. Morbi-RSA gezählt zu werden, müssen die folgenden Kriterien erfüllt sein:
    1) Der Patient muss von einem Arzt mit einer der vom BVA festgelegten 80 Erkrankungen diagnostiziert werden.
    2) Der Patient muss entweder das M2Q-Kriterium (2 Arztbesuche in
    2 Quartalen) oder das M1Q-Kriterium (eine der erfassten 80 Krankheitsgruppen als Haupt- oder Nebendiagnose aus einem Krankenhausaufenthalt) erfüllen.
    3) Der Patient muss mit einem der Diagnose entsprechenden vom BVA bestimmten Medikament behandelt werden.
    Quelle: BVA – Risikostrukturausgleich, http://www.bundesversicherungsamt.de/risikostrukturausgleich.html.

  3. DaTraV vom 10.12.2012, BGBl Jahrgang 2012, Teil I, Seiten 1895 ff.

 

 

 


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