Frühförderung von Menschen mit Behinderung

Frühförderung von Menschen mit Behinderung

Die Förderung und Unterstützung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und deren Angehöriger ist der Hessischen Landesregierung seit fast 30 Jahren ein besonderes Anliegen. Es wurden frühzeitig Qualitätsstandards für die Frühförderung entwickelt und ein Netz von mittlerweile 41 allgemeinen Frühförderstellen und 7 speziellen Frühförderstellen mit zwei Außenstellen für Kinder mit Sinnesschädigung sowie von zwei Autismus-Therapie-Instituten mit vier Außenstellen im Land aufgebaut.41

Frühförderung ist ein freiwilliges Angebot von Hilfen für alle Kinder im Vorschulalter, die behindert oder von Behinderung bedroht sind, aber auch für die Eltern und andere Bezugspersonen (Familie und Verwandtschaft, Kindertagesstätten usw.). Frühförderstellen existieren in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt und bieten als offene Anlaufstelle ein familien- und wohnortnahes Angebot, das sich nach den Entwicklungsvoraussetzungen des Kindes und den Bedürfnissen seiner Familie richtet. Im System früher Hilfen leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur präventiven Gesundheitsfürsorge. Je früher die Betreuung bei den Kindern einsetzt, umso größer sind die Chancen, ihre Kompetenzen zu entfalten und eine gute Integration sowie Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu erreichen.

Laut Rahmenkonzeption Frühförderung Hessen aus dem Jahr 2003 wird Frühförderung als Teil des Gesamtsystems flächendeckender Grundversorgung für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder und deren Familien gesehen, „das von  Ärztinnen und Ärzten , speziellen Diensten und Einrichtungen getragen wird. Zu diesem System gehören neben allgemeinen und speziellen Frühförder- und Frühberatungsstellen auch Sozialpädiatrische Zentren, neurologische wie kinder- und jugendpsychiatrische Spezialambulanzen, niedergelassene (Kinder-)Ärztinnen und -Ärzte, einschließlich Kinder- und Jugendpsychiatern, medizinische Therapeut(inn)en, Erziehungsberatungsstellen, (integrative) Kindertagesstätten und vorschulische Einrichtungen“42.

Das Besondere dabei ist, dass ärztliche, medizinisch-therapeutische, psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen „als Bestand eines integralen und nicht lediglich additiven Rehabilitations- und Förderkonzeptes vorzusehen“ sind.43

Entwicklungsverzögerungen oder -gefährdungen sowie drohende oder bestehende Behinderungen können mit Hilfe der Frühförderung frühzeitig erkannt und die notwendigen Hilfen entsprechend eingeleitet werden. Im Rahmen eines ganzheitlichen Frühförderungskonzeptes mit Früherkennung, Frühbehandlung und pädagogischer Frühförderung, die sozialpädagogische, heilpädagogische, psychologische und therapeutische Elemente umfasst, wird die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes gefördert.

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 7.049 Kinder unter 6 Jahren, davon 4.718 Jungen und 2.331 Mädchen in den 41 allgemeinen Frühförderstellen betreut.44 Hinzukommen 1.055 Kinder, die in den Frühförderstellen für sinnesgeschädigte Kinder betreut wurden, davon 620 hörgeschädigte und 435 sehgeschädigte Kinder. Die meisten Kinder in den speziellen Frühförderstellen sind im Kindergartenalter, mehr als ein Drittel sind noch Kleinkinder. Die Bedeutung der speziellen Frühförderarbeit und ihr Beitrag zur Inklusion zeigen sich daran, dass 50 % der schulpflichtigen hörgeschädigten und 32 % der sehbeschädigten Kinder in Regelschulen aufgenommen wurden.45

 

Von den Autismus-Therapie-Instituten wurden im Jahr 2009 insgesamt 126 Kinder betreut. Ein großer Anteil der Kinder war bereits im schulpflichtigen Alter (59), bereits eingeschult waren 37 Kinder. Dies erklärt sich daraus, dass Autismus im frühkindlichen Alter oft nicht erkannt wird.46

 

Weitere Infomrationen zu diesem Thema finden Sie unter Integrationsprojekte.

 


  1. Flyer Frühförderstellen in Hessen: www.asffh.de/docs/FFAdressflyer2010.pdf.
  2. Hessisches Sozialministerium (Hrsg.): Rahmenkonzeption Frühförderung Hessen, Marburg 2003, S. 8.
  3. Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit, Hessisches Ministerium für Frauen, Arbeit und Sozialordnung: Frühförderung in Hessen. Fachliche Handlungs­anweisungen, Wiesbaden, 2. Auflage Oktober 1996, S. 2.
  4. HessenAgentur: Kommunalisierung sozialer Hilfen. Frühförderung 2009, Wiesbaden 2010.
  5. Landeswohlfahrtsverband Hessen: Jahresbericht 2009 über die Erfahrungen und Ergebnisse der pädagogischen Frühförderung von Kindern mit Hörschädigung, Sehbehinderung, Blindheit und Autismus in Hessen, Kassel 2010, S. 4, 12.
  6. Landeswohlfahrtsverband Hessen, a.a.O., S. 29.

 

 

 


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