Frühförderung von Menschen mit Behinderung

Frühförderung von Menschen mit Behinderung

Die Förderung und Unterstützung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und deren Angehöriger ist der hessischen Landesregierung seit fast 30 Jahren ein besonderes Anliegen. Es wurden frühzeitig Qualitätsstandards für die Frühförderung entwickelt. In Hessen ist ein Netz von mittlerweile 42 allgemeinen Frühförderstellen, fünf speziellen Frühförderstellen für Kinder mit Sehschädigung, fünf speziellen Frühförderstellen für Kinder mit Hörschädigung, drei Autismus-Therapie-Instituten und soeben Sozialpädiatrischen Zentren mit Aufgaben zur Früherkennung, Diagnostik, Beratung, Förderung und Behandlung betraut (Stand Januar 2015). Die allgemeinen Frühförderstellen sind regional in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt vorzufinden, alle weiteren Angebote sind überregional ausgerichtet.48

Frühförderung ist ein freiwilliges Angebot von Hilfen für alle Kinder im Vorschulalter, die behindert oder von Behinderung bedroht sind, aber auch für die Eltern und andere Bezugspersonen (Familie und Verwandtschaft, Kindertagesstätten usw.). Frühförderstellen existieren in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt und bieten als offene Anlaufstelle ein familien- und wohnortnahes Angebot, das sich nach den Entwicklungsvoraussetzungen des Kindes und den Bedürfnissen seiner Familie richtet. Im System früher Hilfen leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur präventiven Gesundheitsfürsorge. Je früher die Betreuung bei den Kindern einsetzt, umso größer sind die Chancen, ihre Kompetenzen zu entfalten und eine gute Integration sowie Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu erreichen.

Laut Rahmenkonzeption aus dem Jahr 2014 ist Frühförderung Teil des Gesamtsystems flächendeckender Grundversorgung für Kinder mit Behinderungen und für von Behinderung bedrohte Kinder und deren Familien, das von speziellen Diensten und Einrichtungen getragen wird. Zu diesem System gehören insbesondere niedergelassene Kinder- und andere Fachärztinnen und Fachärzte, medizinische Therapeutinnen und Therapeuten, neurologische wie kinder- und jugendpsychiatrische Spezialambulanzen, Erziehungs- und andere Beratungsstellen, Kindertageseinrichtungen und andere vorschulische Einrichtungen.

Das Besondere dabei ist, dass ärztliche, medizinisch-therapeutische, psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen „als Bestand eines integralen und nichtlediglich additiven Rehabilitations- und Förderkonzeptes vorzusehen“ sind.49

Entwicklungsverzögerungen oder -gefährdungen sowie drohende oder bestehende Behinderungen können mithilfe der Frühförderung frühzeitig erkannt und die notwendigen Hilfen entsprechend eingeleitet werden. Im Rahmen eines ganzheitlichen Frühförderungskonzeptes mit Früherkennung, Frühbehandlung und pädagogischer Frühförderung, die sozialpädagogische, heilpädagogische, psychologische und therapeutische Elemente umfasst, wird die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes gefördert.

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 7.049 Kinder unter sechs Jahren, davon 4.718 Jungen und 2.331 Mädchen in den 42 allgemeinen Frühförderstellen betreut. Hinzu kommen zum 31.12.2014 1.012 Kinder, die in den Frühförderstellen für sinnesgeschädigte Kinder betreut wurden, davon 560 hörgeschädigte und 452 sehgeschädigte Kinder. Die meisten Kinder in den speziellen Frühförderstellen sind im Kindergartenalter, mehr als ein Drittel sind noch Kleinkinder im Alter bis drei Jahre. Die Bedeutung der speziellen Frühförderarbeit und ihr Beitrag zur Inklusion zeigen sich daran, dass 63 % der schulpflichtigen hörgeschädigten und 34 % der sehbeschädigten oder blinden Kinder in Regelschulen aufgenommen wurden.50

Von den Autismus-Therapie-Instituten wurden im Jahr 2014 insgesamt 180 Kinder betreut. Ein großer Anteil der Kinder war bereits im schulpflichtigen Alter, bereits eingeschult waren 51 Kinder. Dies erklärt sich daraus, dass Autismus im frühkindlichen Alter oft nicht erkannt wird.51

 


    1. Arbeitsstelle Frühförderung in Hessen, Familienatlas Stand Januar 2015, http://www.familienatlas.de
    2. Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit, Hessisches Ministerium für Frauen, Arbeit und Sozialordnung: Frühförderung in Hessen. Fachliche Handlungsanweisungen, Wiesbaden, 2. Auflage Oktober 1996, S. 2.
    3. Zahlen aus dem Jahresbericht 2014 des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen über die Erfahrungen und Ergebnisse der interdisziplinären Frühförderung von Kindern mit Hörschädigung, Sehbehinderung, Blindheit und Autismus in Hessen, Seite 13 ff.
    4. Zahlen aus dem Jahresbericht 2014 des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen über die Erfahrungen und Ergebnisse der interdisziplinären Frühförderung von Kindern mit Hörschädigung, Sehbehinderung, Blindheit und Autismus in Hessen, Seite 37
       

       


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